Da sich stets die neuen Tage
Auf den Schutt der alten bauen –
Kann ein aufmerksames Auge
Rückwärts blickend vorwärts schauen.

Die Geschichte des Imkervereins Mömbris ist – bis zur Ausrichtung des >Unterfränkischen Imkertages< in Mömbris, im Jahre 2003 – nie genau erforscht, geschweige denn niedergeschrieben worden.
Die Spur der Nachforschungen verliert sich um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Aus den vorhandenen Vereinsunterlagen ist weder der Gründungstag noch der Gründungsort belegbar.
Authentischen mündlichen Hinweisen der ältesten Vereinsmitglieder zufolge kann davon ausgegangen werden, dass der Verein bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestanden hat.
Die einzigen verwertbaren, jedoch sehr lückenhaften Aufzeichnungen des ehemaligen Vereinsvorsitzenden Karl Büttner aus dem Jahre 1981, nehmen Bezug auf einige wenige Eintragungen in den Vereinsakten aus den Jahren 1936 bis 1940 des seinerzeitigen Vereinsvorsitzenden und 1948 verstorbenen Hauptlehrers Franz Zinsmeister — sowie auf ein verschwundenes Protokollbuch der >Reichsfachgruppe Imker< aus dem >Dritten Reich< (einer Zeit, in der die gleichgeschalteten deutschen Vereine mutmaßlich kein eigenes Vereinsleben entwickeln und pflegen konnten).

Bei den Nachforschungen im Rahmen der Festschrift zum >Unterfränkischen Imkertag 2003< in Mömbris wurden wir fündig:
Herr Dr. Gerhard Klein aus Mainz, ein Nachkomme des vorgenannten Franz Zinsmeister, hat uns aus seinem Familienbesitz eine Urkunde aus dem Jahre 1901 – zusammen mit dem Abdruck einer Gedenkmünze zur Verfügung gestellt. Der Inhalt dieser Urkunde beweist, dass unser Verein bereits um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert bestanden hat.

Somit können wir mit Sicherheit von einer über hundertjährigen Tradition des Imkervereins Mömbris ausgehen.

Zusammen mit den vorerwähnten Aufzeichnungen unseres langjährigen Vorsitzenden Karl Büttner, lässt sich ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts eine lückenlose Vereins-Chronologie zuverlässig rekonstruieren:
Bis 1940 War Franz Zinsmeister Vorsitzender; sein Amt legte er seinerzeit aus Altersgründen nieder.
Ab 1940 übernahm Imkerkamerad Otto Etzel aus Schimborn die Vereinsleitung. Nach dessen Einberufung zum Kriegsdienst in der Deutschen Wehrmacht wurde Josef Bathon aus Brücken Vorsitzender.
[Aus dieser Zeit bis zum Kriegsende, am 8. Mai 1945, sind keinerlei schriftliche Unterlagen vorhanden; möglicherweise, weil in den letzten Kriegsjahren eine Vereinstätigkeit unmöglich gewesen ist.)]
„Nach Kriegsende (Originaltext Karl Büttner) erlosch zunächst jedwede Vereinstätigkeit.
Das Jahr 1945 war für die Imker eine Katastrophe. Es stand kein Einfütterungszucker zur Verfügung, und während des Winters 1945/46 starben die Völker massenweise. Gar mancher aus dem Krieg heimgekehrte Imker stand vor seinen leeren Bienensärgen. Die Bienenstände der gefallenen, vermissten und noch in Gefangenschaft befindlichen Imker waren am verlassensten. Es galt die Parole: „hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“. (Zitatende)

Vom Sommer 1945 bis Februar 1946 führte Hugo Heeg aus Schimborn die Geschäfte des Vereins. Dann übernahm Josef Jung aus Niedersteinbach den Vorsitz bis Herbst 1953.
Ab September 1953 führte Georg Bathon aus Strötzbach den Vereinsvorsitz, den er im Juli 1955 zurückgab. Ab Juli 1955 bis Herbst 1956 wurde der Verein vom damaligen 2. Vorsitzenden, Karl Büttner aus Alzenau, vertretungsweise geführt; dieser wurde am 10. November 1956 zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Karl Büttner hatte dieses Amt 29 Jahre, bis 1984, inne. Ihm vor allem gebührt – als begeisterter und begeisterungsfähiger Imker mit Leib und Seele, wie auch als führende Persönlichkeit und treibende Kraft mit Sachverstand und Weitblick— ganz besonderer Dank und Anerkennung in dieser Chronik. Ihm ist es mit viel Überzeugungskraft in unzähligen Veranstaltungen gelungen, „seinen Imkerkameraden“ immer wieder die neuesten Erkenntnisse der Bienenzucht und der Bienenführung und -pflege zu vermitteln – insbesondere mit der Carnika-Bienenrasse.
Ab 1984 bis 2010 lenkte Ernst Krebs aus Daxberg als 1. Vorsitzender den Imkerverein Mömbris – mit bewundernswertem Geschick und Einsatz – vor allem aber mit hohem Sachverstand.
In seiner Amtszeit konnte der Verein, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung, den bis heute unvergessenen >Unterfränkischen Imkertag 2003< meistern – ein „Hotspot“ in der Vereinsgeschichte.
Seit 2010 bis heute führt unser Imkerfreund Werner Schielke aus Daxberg mit seinem Vorstandsteam den Verein.
Seinem außergewöhnlichen Engagement und seinem unermüdlichen Einsatz verdankt der Imkerverein Mömbris die Errichtung und Bewirtschaftung eines Vereinsheims mit Lehrbienenstand im Mömbriser Ortsteil Daxberg.
In dieser Einrichtung finden regelmäßige Imkertreffen statt. Ebenso anspruchsvolle Lehr-und Schulungsveranstaltungen, wie auch praktische Vorführungen (z.B. über Honigerzeugung und Honigbehandlung, Bienenzucht, Methoden zur Bekämpfung von Bienenkrankheiten und -seuchen, usw.).
Die Ausbildung von Jungimkern ist ein weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit; ebenso die Führungen von Schulklassen und Kindergärten. Hierbei werden die faszinierende Lebensweise und die unschätzbare Bedeutung der Bienen, wie auch die Leistungen der Imker für Natur, Volkswirtschaft und Gesellschaft, verdeutlicht.
Der Daxberger Lehrbienenstand ist das „Aushängeschild“ des Imkervereins Mömbris, und die Veranstaltungen stoßen immer auf ein großes und breites Interesse von Fachleuten – aber auch von interessierten Nicht-Imkern. Vor allem bei Kindern bleiben die Erlebnisse bei den Bienen und Imkern in nachhaltiger und prägender Erinnerung.

Heute (2018) hat der Imkerverein Mömbris 66 Mitglieder, die mit der Bewirtschaftung von ca. 460 Bienenvölkern einen unschätzbaren Beitrag für die Natur, die Landeskultur und nicht zuletzt unsere gesamte Gesellschaft leisten.
Jedoch: Unsere engagierten Imkerinnen und Imker, und vor allem die Bienen, stehen in steigendem Maße vor einer Vielzahl von Problemen, die eine Bienenhaltung und die Honigerzeugung immer mehr erschweren. Dennoch stellen sie sich (bislang noch erfolgreich) den Herausforderungen in unserer sogenannten zivilisierten, hochtechnisierten, ständig wandelnden Gesellschaft, die die Natur, die Landschaft und unser Klima in einer so rasanten Zeit verändert hat, dass Anpassungen immer schwieriger werden.

So sind es heutzutage nicht mehr Katastrophen- und Kriegsereignisse, die uns Imker fordern, sondern beispielsweise Bienenkrankheiten und -seuchen, die mittlerweile unsere Bienenvölker teilweise existenzbedrohend dezimieren.
Ebenso die Konfrontation mit unkalkulierbaren Risiken durch eine maschinengerechte Landwirtschaft – oft mit großflächigen monokulturartigen Bewirtschaftungsformen, die wenig Spielraum auf Rücksichtnahmen zulassen. So wird zum Beispiel das für die Bienen notwendige breite und ständige Nahrungsangebot auf ein klägliches lebensbedrohliches Minimum reduziert. Und insbesondere durch den Einsatz von Pestiziden wird nicht nur unseren Bienen, sondern allen Insekten das Leben – in wahrstem Wortsinn – schwergemacht.

Für uns Imkerinnen und Imker jedoch ist eine Welt ohne Bienen nicht vorstellbar. Daher stellen wir uns immer wieder den Herausforderungen – allen Misserfolgen und Fehlschlägen zum Trotz. Und wir würden uns (-nach einem abgewandelten Sinnspruch von Martin Luther-) auch dann noch für unsere Bienen engagieren, wenn wir wüssten, dass morgen die Welt untergeht.

Für unsere Überflussgesellschaft sollte der Schutz und die Förderung der Bienen ein elementares, existentielles Bedürfnis – im Interesse der eigenen Überlebensstrategie – sein. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass Albert Einstein recht hat, mit seiner Vorhersage, dass die Menschheit ein Aussterben der Bienen nur maximal 5 Jahre überleben kann.