Am Sonntag, den 10. April führte einer unserer beiden Bienenfachwarte in Person von Ben Kahle gut 50 Einsteiger durchs Bienenjahr. Die Jungimker oder solche die es noch werden wollen, konnten einen Eindruck gewinnen wie ein Einstieg in die Imkerei am besten gelingt und welche Arbeiten zu welchem Zeitpunkt von Nöten ist.

Der kalendarische Anfang eines jeden Jahres ist für die Imker eine eher ruhige Zeit. Die kommende Saison kann in aller Ruhe geplant und das Material entsprechend vorbereitet werden. Dabei werden nicht nur die Bienenbeuten in Stand gesetzt, sondern auch die Rähmchen gereinigt und mit Mittelwänden bestückt. Das ausgeschmolzene Wachs kann von Fachbetrieben zu neuen Mittelwänden umgearbeitet werden. In diesem Jahresabschnitt finden für Imker viele Schulungen und Vorträge veranstaltet, die es oftmals lohnen besucht zu werden um einen Blick über den Tellerrand zu gewinnen. Die Bienen selbst blicken nur selten aus Ihren Behausungen und halten eine strenge Winterruhe. Die Imker versuchen Ihre Neugierde mit vereinzelten Standkontrollen zu stillen und prüfen ob Wind und Wetter die Bienenbehausungen nicht beschädigt haben.

Mit Beginn des Frühjahrs steigt auch die sichtbare Aktivität der Bienenvölker. Mit den ersten warmen Tagen über 13-15 Grad fliegen die Bienen für Ihren Reinigungsflug aus und entleeren die gefüllte Kotblase – Die Wäsche des Nachbarn könnte an dieser Stelle leiden und zum Politikum werden. Neuimker sollten daher vorbeugend aufklären und mit einem Glas schmackhaftem Honig die umliegenden Gartennachbarn gnädig stimmen und auf einen kräftig blühenden Garten durch die Bestäubung der Bienen hinweisen. Die Brutaktivität der Königin steigt nun merklich an und durch das Absterben der Altbienen und der Geburt der Jungbienen ist die Durchlenzung in vollem Gange. Die Bienen finden immer mehr Pollen und sammeln diesen eifrig für die Aufzucht der jungen Bienen. Der Imker kontrolliert nun ob alle Völker gut durch den Winter gekommen sind. Völker deren Königin zu schaden gekommen ist oder schwache Völker werden aufgelöst oder sofern es möglich ist durch andere Bienen verstärkt.

Im weiteren Jahresverlauf können die Bienen auch immer mehr Nektar sammeln. Die anstehende Blüte der Kirsche ist ein Anhaltspunkt den Bienen die Honigräume aufzusetzen. Neben den Kirschen beginnt auch der Raps und einige Zeit darauf viele weitere Obstbäume zu blühen. Unsere Natur bietet den Bienenvölkern nun einen breiten Gabentisch. Speziell im Kahlgrund ist durch eine weitestgehend kleinteilige Landwirtschaft ohne großen Pestizideinsatz eine gutes Nahrungsangebot für Bienen zu finden. Für den Imker startet damit eine der intensiven Phasen im Imkerjahr. Die aufstrebenden Bienenvölker gehen dem natürlichen Drang zum schwärmen nach. Der Imker versucht die Schwarmlust zu durch Anpassung der Bienenbehausung durch Raumgabe und ein Brechen der Schwarmzellen zu verhindern. Zum einen möchte er doch starke Bienenvölker und zum anderen möchte er die Teilung der Völker durch gezielte Königinnenzucht und Ableger-/Jungvolkbildung nach seinen Wünschen zu optimieren und zu kontrollieren. Darüber steht eine der dankbarsten und freudigsten Aufgaben an. Haben Natur und Bienen harmoniert, kann der erste Blütenhonig geerntet werden. Blütenhonige sind eher hell und oftmals sehr cremig. Volle Honigtöpfe zeigen nicht nur, dass das Bienenvolk gesund und stark ist, sondern eine gute Völkerführung durch den Imker.

Nach der Obstblüte herrscht in unserem Gebiet oftmals eine Trachtlücke bis zur einsetzenden Waldtracht. Waldhonige sind dunkel und zähflüssig und im Geschmack etwas rauher und intensiver als Blütenhonige. Mit dem Abschleudern der Waldhonige beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Varroamilbe konnte sich in den großen Brutfeldern der Bienen kräftig vermehren. Das erfordert wichtige Eingriffe des Imkers. Mittels organischen Säuren, die auch in der freien Natur vorhanden sind, versucht der Imker den Bienen unter die Arme zu greifen die Milbenlast zu dämpfen um eine gesunde Aufzucht der Winterbienen zu ermöglichen. Unterstützt man die Bienen in der Bekämpfung der Varroamilbe nicht,  schädigen die Milben die junge Brut so stark, dass viele Bienen verkrüppelt geboren werden und ihren angedachten Aufgaben nicht nachkommen können. Das Volk droht zu kollabieren und in seiner Gesamtheit abzusterben. Desweiteren ist die Varroamilbung auch für die Verbreitung verschiedenster Krankheitserreger verantwortlich, die für die betroffenen Bienenvölker eine existenzielle Gefahr darstellen. Aktuell sind abgeschwärmte Bienen, die sich in der freien Natur eine Behausung suchen, oftmals nicht lange überlebensfähig, da sie der Varroamilbe keinen Einhalt gebieten können. Die Bienezucht versucht seit geraumer Zeit Bienen zu züchten die sich deutlich stärker gegen Varroen wehren können, allerdings ist der Durchbruch trotz erwiesener Erfolge in der Breite noch nicht geschafft.

Zum gleichen Zeitraum beginnt der Imker seine Völker mit Futtergaben für den Winter vorzubereiten und den entnommenen Honig auszugleichen. Die Bienen stürzen sich bei ausbleibendem Nahrungsangebot in der Natur dankbar auf das Zuckersirup. In vielen Fällen ermöglicht es den Bienen eine gesündere Überwinterung, da das eingebrachte Futter im Vergleich zu dunklen Honigen von den Bienen leichter verdaut werden kann. Hat der Imker bis dahin keine Fehler gemacht, bleibt ihm über den gesamten Winter bis zu einer Restentmilbung im Dezember nur die Möglichkeit zu hoffen und bangen, dass seine Bienen bis zum zarten Frühling überleben und vereinzelt wärmere Tage für kleinere Ausflüge nutzen.

Im Anschluss an die theoretischen Erklärungen konnten sich die Teilnehmer am Lehrbienenstand auch in der Praxis ein Bild von den Bienen machen und an den geöffneten Beuten die Bienenvölker bestaunen und weitere Fragen zu stellen.

Für alle Mitglieder von Imkervereinen und interessierten Jungimkern (oder solche die es werden wollen) veranstaltet der Imkerverein Mömbris ab sofort an jedem letztem Freitag im Monat  (Nächster Termin: 29. April ab 19:00 Uhr) einen Imkerfachgespräch im Vereinsheim am Lehrbienenstand in der Vikarstraße in Mömbris-Daxberg. Bei gemütlichem Beisammensein können systemübergreifend Methoden und Tricks besprochen werden. Darüberhinaus werden sonntags im Zweiwochenrhythmus (Nächster Termin: 17. April ab 10:00 Uhr) die praktischen Schulungen am Lehrbienenstand angeboten. Informationen erhalten Sie auf unserer Website unter www.imker-moembris.de